Emma ist ein Frops. Neun Jahre alt, eigensinnig, mit einer Nase, die nichts durchgehen lässt. Wenn sie etwas aufspürt, hört sie nicht auf. Nicht weil sie muss. Sondern weil sie nicht anders kann. Ich kenne das Gefühl.


Was sie macht – und was ich mache

Emma spürt auf, was noch nicht sichtbar ist. Eine Fährte, ein Geräusch, ein Geruch, den sonst niemand wahrnimmt. Sie braucht keine Anleitung dafür. Keine Checkliste. Sie folgt einfach dem, was sie deutlich spürt.

Ich arbeite ähnlich.

Wenn ich mit jemandem spreche, höre ich nicht nur auf das, was gesagt wird. Ich höre auf das, was zwischen den Sätzen liegt. Worüber jemand redet, wenn er nicht über sein Unternehmen redet. Was er ausstrahlt, bevor er anfängt zu erklären.

Oft reicht ein Gespräch. Und ich weiß, wo wir ansetzen müssen.


Wahrnehmung ist bei mir keine Methode

Ich habe nicht gelernt, Menschen zu lesen. Ich habe nie aufgehört, es zu tun.

Als Kind war ich die, die bemerkt hat, wenn jemand eigentlich traurig ist – auch wenn er lacht. Die gespürt hat, wenn ein Raum eine seltsame Stimmung hat, ohne dass jemand etwas gesagt hätte. Die immer wusste, was gerade wirklich passiert.

Das ist geblieben. Und irgendwann habe ich verstanden:

Das ist kein Makel. Das ist mein Werkzeug.

Im Gespräch mit Kunden bedeutet es: Ich erkenne schnell, was ein Unternehmen wirklich ausmacht. Nicht das, was auf der Website steht. Das, was da ist – und noch nicht sichtbar gemacht wurde.


Was wir gemeinsam haben

Emma und ich teilen eine Eigenschaft, die manchmal unbequem ist: Wir hören nicht auf, bevor wir das Wesentliche gefunden haben.

Für sie ist es ein Geruch. Für mich ist es die Frage: Was ist hier wirklich da – und wird noch nicht gezeigt?

Wenn ich das gefunden habe, beginnt die eigentliche Arbeit. Das Übersetzen. Das Gestalten. Das Sichtbarmachen. Manchmal in einer Website. Manchmal in einem Logo. Manchmal in einem Satz, der auf Anhieb stimmt.


Emma schläft gerade neben mir, während ich das schreibe. Sie hat heute eine Hecke gefunden, die offenbar sehr interessant war.

Ich habe heute einen Kunden besser verstanden, als er sich selbst beschrieben hat.

Wir hatten beide einen guten Tag.


Ann-Kathrin Kuhn
Ann-Kathrin Kuhn

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