Haltung · Automatisierung
Wofür hast du dich eigentlich selbstständig gemacht?
Ann-Kathrin Kuhnca. 4 Min. Lesezeit
Sonntagabend, kurz nach neun. Irgendwo zwischen Excel-Tabelle und Canva taucht diese eine Frage auf: Wofür hab ich mich eigentlich selbstständig gemacht?
Ich habe diese Frage schon vielen Selbstständigen gestellt. Die Antworten sind unterschiedlich – Menschen begleiten. Etwas Schönes erschaffen. Frei sein. Das eigene Ding machen.
Gesagt hat noch keiner:
„Für die Ablage.“
Sonntag, kurz nach neun
Ehrlich gezählt
Wohin deine Zeit wirklich geht.
Wenn du ehrlich zählst, ist die Liste oft länger als gedacht:
- Rechnungen schreiben, verschicken, nachhaltenjeden Monat
- Termine hin- und herschiebenjede Woche
- Überlegen, was du diese Woche postestjede Woche
- Bilder suchen, Grafiken bauen, Texte umschreibenjeder Post
- Dieselbe E-Mail zum zehnten Mal tippenständig
Nichts davon ist schwer. Aber alles davon kostet Zeit. Jede Woche. Immer wieder. Und genau diese Zeit fehlt dann für das, wofür du eigentlich angefangen hast.
„Automatisierung“ klingt nach Konzern. Ist es aber nicht.
Wenn ich von Automatisierung spreche, sehen viele erst mal Serverräume und Projekte mit sechsstelligem Budget vor sich. Dabei heißt es für kleine Unternehmen etwas viel Einfacheres.
Klartext
Was sich ständig wiederholt, muss nicht jedes Mal von dir gemacht werden.
Kein großes IT-Projekt. Sondern Abläufe, die im Hintergrund laufen – genau so, wie du sie sonst von Hand machen würdest. Nur ohne dich.
Aus meinem Alltag
Zwei Beispiele, die Zeit zurückgeben.
Die Monatsabrechnung per Klick.
Ein Kunde hat jeden Monat Stunden damit verbracht, seine Dienstleistungsstunden abzurechnen: zusammentragen, Rechnungen schreiben, Nachweise anhängen, alles einzeln verschicken. Heute klickt er einen Button – die Rechnungen werden erstellt und automatisch an alle Kunden verschickt.
Case ansehen →„Was poste ich diese Woche?“ – abgeschafft.
Für eine Kundin war Social Media ein ständiger Kraftakt: das ewige Kopfzerbrechen, was sie posten soll – und dann noch die Stunden für Bilder und Texte. Heute läuft ihre eigene Redaktion automatisch: Themen, Texte, Bilder und Grafiken entstehen von selbst, sie gibt nur noch frei. Nach fünf Wochen: mehr als das Zwanzigfache an Aufrufen auf Instagram.
Case ansehen →Was ich nicht automatisieren würde.
So begeistert ich von gut gebauten Abläufen bin – manches gehört nicht in eine Automatisierung. Automatisierung soll dich nicht ersetzen. Sie soll dir den Rücken freihalten, damit mehr von dir übrig bleibt.
Darf automatisch laufen
- Rechnungen – mit einem Klick
- Deine komplette Social-Media-Redaktion
- Fertige Grafiken & Bilder für jeden Post
- Anfragen, Bestätigungen & Erinnerungen
- Alles, was dich nachts wachhält
Bleibt bei dir
- Das persönliche Gespräch
- Die Beratung
- Deine Haltung
- Alles, wofür man dich bucht
Zum Mitnehmen
Drei Fragen, um deine Zeitfresser zu finden.
Nimm dir fünf Minuten und beantworte sie ehrlich.
Was machst du jede Woche gleich?
Alles, was sich exakt wiederholt, ist ein Kandidat.
Wobei denkst du: „Das müsste doch einfacher gehen“?
Dieses Gefühl täuscht selten.
Was schiebst du immer wieder vor dir her?
Oft sind das genau die Aufgaben, die dich am meisten Energie kosten.
Wenn du bei einer Frage länger als zwei Sekunden überlegst, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Also: Wofür hast du dich selbstständig gemacht?
Behalte die Antwort im Kopf. Und dann schau dir an, wie viel Zeit du gerade wirklich damit verbringst. Wenn die Lücke zu groß ist, lass uns reden – manchmal reicht schon ein einziger Ablauf, der ab jetzt automatisch läuft.